Question 1
Die Erzählung steht im Präteritum und folgt Jakobs Gedanken: „Am Abend prüfte er noch einmal die Route. Morgen würde der gefährliche Aufstieg beginnen.“ Worauf bezieht sich „morgen“? _____
Options: auf den Folgetag aus Jakobs damaliger Perspektive, zwingend auf den Tag nach der Niederschrift des Romans, auf einen unbestimmten Tag vor dem erzählten Abend
Question 2
Mira ist in einem fremden Keller eingeschlossen; die Szene bleibt eng an ihrer Wahrnehmung: „Hier würde sie niemand suchen.“ Wie ist „hier“ zu deuten? _____
Options: als Ort aus Miras Figurenperspektive, als Ort, an dem der Autor den Text schreibt, als Beweis für einen Wechsel in die direkte Rede
Question 3
„Er hatte jahrelang auf diese Nachricht gewartet. Jetzt hielt er den Brief in der Hand.“ Welches deiktische Zentrum ist im figurenfokussierten Kontext am plausibelsten? _____
Options: ausschließlich der reale Lesemoment, der gegenwärtige Moment der Figur in der erzählten Vergangenheit, notwendig der Zeitpunkt eines späteren Erzählerkommentars
Question 4
Warum darf „heute“ in einem literarischen Präteritum nicht automatisch dem Erzähler zugeordnet werden? _____
Options: Weil „heute“ grundsätzlich keine zeitliche Bedeutung hat., Weil der Kontext das deiktische Zentrum bei einer Figur verankern kann., Weil jedes Präteritum direkte Rede einleitet.
Question 5
„Lange ging sie schweigend durch die Stadt. Sie kannte jede Gasse.“ Welche Grundfunktion erfüllt das Präteritum zunächst? _____
Options: Es markiert zwingend einen Erzählerkommentar in der Gegenwart., Es weist jeden Satz als erlebte Rede aus., Es etabliert den vergangenen Erzählrahmen.
Question 6
„Sie fand die Schublade leer. Jemand hatte die Briefe entfernt.“ Welche zeitliche Beziehung drückt „hatte entfernt“ aus? _____
Options: Beide Vorgänge geschehen zwingend gleichzeitig., Das Entfernen liegt nach dem Fund in der Zukunft., Das Entfernen liegt vor dem Fund in der vergangenen Erzählzeit.
Question 7
Nach einer Szene im Präteritum kommentiert der Erzähler allgemein: „Er verschwieg den Fehler. Menschen schützen oft zuerst ihr eigenes Bild von sich.“ Welche Funktion hat das Präsens im zweiten Satz? _____
Options: Es formuliert einen allgemeinen Erzählerkommentar., Es setzt die Handlung chronologisch Jahre später fort., Es beweist direkte Gedankenrede der Figur.
Question 8
Eine Zugfahrt wird im Präteritum erzählt. Im Moment, in dem die Figur gebannt aus dem Fenster blickt, heißt es: „Draußen rast die dunkle Landschaft vorbei.“ Welche Funktion ist im beschriebenen Kontext plausibel? _____
Options: szenische oder wahrnehmungsnahe Vergegenwärtigung, eindeutiger grammatischer Fehler ohne stilistische Funktion, notwendige Kennzeichnung einer weit zurückliegenden Rückblende
Question 9
Ein Absatz wechselt unvermittelt vom Präteritum ins Präsens. Welche Schlussfolgerung ist ohne weitere Textanalyse zulässig? _____
Options: Das Präsens erzeugt ausnahmslos dramatische Nähe., Jeder Wechsel ist automatisch ein Tempusfehler., Die Funktion muss aus Erzählstruktur und Kontext bestimmt werden.
Question 10
Welche Beobachtung spricht am stärksten gegen die Deutung eines Präsenssatzes als szenische Vergegenwärtigung? _____
Options: Der Satz formuliert eine allgemeine Reflexion außerhalb der Figurenwahrnehmung., Der Satz enthält ein Verb im Präsens., Vor dem Satz steht ein Verb im Präteritum.
Question 11
Was bedeutet es, bei einem Tempuswechsel die „Ebenenstruktur“ zu prüfen? _____
Options: Man zählt ausschließlich die Verben jedes Absatzes., Man ersetzt vorsorglich alle Tempora durch Präteritum., Man bestimmt, ob Handlung, Rückblende, Wahrnehmung oder Kommentar vorliegt.
Question 12
Welche Analyse vermeidet es, einen bewussten literarischen Tempuswechsel vorschnell als Fehler zu behandeln? _____
Options: Jeden Tempuswechsel unabhängig vom Kontext akzeptieren., Zuerst prüfen, welche Perspektiv- oder Ebenenfunktion der Wechsel im Kontext erfüllt., Nur die Länge des betreffenden Satzes bewerten.
Question 13
Vergleiche A und B. A: „‚Ich komme morgen zurück‘, sagte Lenz.“ B: „Lenz ging schweigend fort. Morgen würde er zurückkommen; daran zweifelte er nicht.“ Was ist für „morgen“ jeweils entscheidend? _____
Options: A verankert es im Zitat; B verankert es durch Figurenperspektive und Kontext., In beiden Fällen bezeichnet es zwingend den Tag nach der Veröffentlichung., Nur A besitzt überhaupt ein deiktisches Zentrum.
Question 14
„Nun beginnt der entscheidende Teil unserer Geschichte“, erklärt der Erzähler ausdrücklich seinen eigenen Bericht. Warum ist „nun“ hier keine Figurendeixis? _____
Options: Jedes „nun“ gehört unabhängig vom Kontext einer Figur., Die ausdrückliche Erzähleräußerung setzt das deiktische Zentrum auf der Erzählebene., Präsens verhindert grundsätzlich jede deiktische Verankerung.
Question 15
Welche Gesamtanalyse ist für die Passage am schlüssigsten? „Klara hatte die Warnung ignoriert. Nun stand sie vor dem gesperrten Tor. Wie töricht war ihre Zuversicht gewesen! Später schreibt der Erzähler: Selbstvertrauen schützt nicht vor Irrtum.“ _____
Options: gleichzeitige Ereignisse – direkte Rede – weiterer neutraler Präteritumsbericht, Rückgriff vor die Szene – figurenbezogene erlebte Perspektive – allgemeiner Erzählerkommentar, Erzählergegenwart – indirekte Rede – wörtliches Figuren-Zitat