Futur I für Pläne, Prognosen und Vermutungen
Das Futur I drückt Pläne, Prognosen und Vermutungen über die Gegenwart aus; für feste Pläne genügt oft das Präsens statt werden + Infinitiv (B1).
Das Futur I richtet den Blick nach vorn oder drückt eine Vermutung über die Gegenwart aus. Für feste Pläne genügt oft das Präsens.
Du wählst zwischen Präsens und Futur I und erkennst, wann werden + Infinitiv eine Vermutung über die Gegenwart ausdrückt.
Kernidee
Die Form lautet werden + Infinitiv; das finite werden steht an Position zwei, der Infinitiv am Satzende. Bei Vermutungen erscheinen oft wohl, vermutlich, wahrscheinlich.
Im Nebensatz stehen die Verbteile am Ende. Bei einem Infinitiv kommt das finite werden zuletzt: …, dass er morgen kommen wird. / …, weil die Preise steigen werden. Bei zwei Infinitiven mit einem Modalverb steht es davor; siehe Abschnitt 4.
Werden kann auch ein Vollverb sein: Er wird Arzt beschreibt eine Veränderung oder Entwicklung; er ergreift den Beruf des Arztes. Auch Es wird kalt beschreibt eine Veränderung. Hier ist werden kein Hilfsverb und hat keinen Infinitiv bei sich. In der Futur-I-Form steht dagegen ein finites werden mit einem Infinitiv: Er wird kommen. Zwei Infinitive gibt es mit einem Modalverb: Du wirst warten müssen.
Unterscheide Futur und Passiv genau: Er wird fragen ist Futur I, Er wird gefragt ist Passiv. Er wird gefragt werden ist Futur I im Passiv.
Formen und Orientierung
Das finite Verb werden trägt die Personalendung; der Infinitiv bleibt unverändert.
| Person | Form von werden | Futur-I-Beispiel |
|---|---|---|
| ich | werde | Ich werde anrufen. |
| du | wirst | Du wirst anrufen. |
| er/sie/es | wird | Sie wird anrufen. |
| wir | werden | Wir werden anrufen. |
| ihr | werdet | Ihr werdet anrufen. |
| sie/Sie | werden | Sie werden anrufen. |
| Bereich | Regel | Beispiel |
|---|---|---|
| Zukunftsprognose | werden + Infinitiv | Die Preise werden steigen. |
| Absicht/Versprechen | betontes Futur | Ich werde mich kümmern. |
| nachdrückliche Aufforderung | Futur als Befehl | Du wirst jetzt sofort deine Hausaufgaben machen! |
| fester Plan | oft Präsens + Zeit | Morgen fahren wir los. |
| Vermutung jetzt | werden + wohl | Er wird wohl arbeiten. |
Gebrauch im Zusammenhang
- Nutze das Präsens für vereinbarte Termine mit klarer Zeitangabe oder eindeutigem Zukunftskontext.
- Nutze Futur I für Prognosen, Versprechen oder betonte Absichten.
- Erkenne bei wohl und ähnlichen Markern, dass die Aussage die Gegenwart meinen kann.
| Kontext | Präsens | Futur I |
|---|---|---|
| Zeitangabe macht Zukunft klar | Morgen arbeite ich zu Hause. | Morgen werde ich zu Hause arbeiten. |
| Arbeit ab September | Ab September arbeite ich in Berlin. | Ab September werde ich in Berlin arbeiten. |
| Vorhersage | Morgen regnet es. | Morgen wird es regnen. |
Mit klarer Zeitangabe klingt das Präsens für Pläne oft natürlicher. Futur I hebt den Zukunftsbezug hervor und passt besonders gut zu Prognosen, Versprechen und betonten Absichten.
Bei Vermutungen zeigen Wörter wie wohl, vermutlich, wahrscheinlich und sicher, wie sicher du etwas einschätzt: Er wird wohl noch im Büro sein. Er wird vermutlich gerade essen. Sie wird wahrscheinlich jetzt im Zug sitzen. Er wird sicher schon zu Hause sein. Zeitangaben wie jetzt oder gerade zeigen dabei, dass du die Gegenwart meinst: Er wird jetzt gerade schlafen.
Der Zug wird voraussichtlich zehn Minuten später ankommen.
Wo ist Amir? – Er wird noch im Büro sein. Das ist eine Vermutung über jetzt.
Verneinung und Fragen
| Satzart | Beispiel |
|---|---|
| Aussage | Du wirst das schaffen. |
| Verneinung | Du wirst das nicht schaffen. |
| Ja-Nein-Frage | Wirst du das schaffen? |
| W-Frage | Wann werdet ihr ankommen? |
In der Ja-Nein-Frage steht das finite werden an erster Stelle. Eine negative Frage ist möglich: Wirst du das nicht schaffen?
Bei Satznegation steht nicht im Mittelfeld vor dem letzten Infinitiv: Du wirst morgen nicht kommen. Verneinst du nur einen Satzteil, steht nicht direkt davor: Du wirst nicht nach Berlin, sondern nach Hamburg fahren.
Mit einem Modalverb stehen zwei Infinitive am Ende: Du wirst warten müssen. Das Modalverb müssen ist der letzte Infinitiv. Auch bei dieser Konstruktion steht nicht im Mittelfeld: Du wirst nicht warten müssen.
Im süddeutschen, österreichischen und schweizerdeutschen Sprachraum wird für Zukünftiges im Gespräch besonders oft das Präsens verwendet. Futur I wirkt dort im Alltag häufig betont oder distanzierend. Für Prognosen, Versprechen und schriftliche Vorausblicke bleibt es aber sehr nützlich.
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Typische Stolperstelle
Im Nebensatz mit einem Modalverb stehen die Verbteile zusammen am Ende: ✗ …, dass du warten müssen wirst. → ✓ …, dass du wirst warten müssen. Das finite wirst steht vor den beiden Infinitiven.
Kurz zusammengefasst
- Form: werde/wirst/wird/werden/werdet + Infinitiv.
- Klare Zukunft im Kontext: oft Präsens; Prognose oder betonte Absicht: häufig Futur I.
- Frage: finites werden zuerst; Verneinung: nicht vor dem verneinten Teil.
- Futur I kann auch eine Vermutung über die Gegenwart ausdrücken.
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Last updated August 23, 2026