Konversion und Wortartwechsel ohne sichtbares Affix
Bei der Konversion wechselt ein deutsches Wort die Wortart ohne sichtbares Affix – erkenne die neue Kategorie an Großschreibung und Flexion (C1).
Bei der Konversion wechselt ein Ausdruck seine Wortart, ohne dass ein sichtbares Ableitungsaffix hinzukommt. GroĂźschreibung, Flexion und syntaktische Umgebung zeigen, welche Kategorie die neue Einheit besitzt.
Nach dieser Lektion kannst du Konversion anhand morphologischer und syntaktischer Tests analysieren.
Funktion und Einordnung
Infinitive können als Substantive gebraucht werden (das Lesen), Adjektive als substantivierte Personen- oder Sachbezeichnungen (die Bekannte, etwas Neues). Andere Fälle wie ein Muss oder das Für und Wider zeigen, dass auch kleinere Einheiten nominalisiert werden können.
FĂĽr die Analyse sind drei Punkte besonders wichtig:
- Substantivierte Infinitive sind Neutra und meist nicht pluralfähig: das Wandern.
- Substantivierte Adjektive behalten die Adjektivflexion: ein Bekannter, die Bekannte, etwas Bekanntes.
- Nicht jede identische Form beweist denselben Wortbildungsweg; historische Entwicklung und synchrone Analyse können auseinanderfallen.
Konversion kann auch andere Richtungen haben: das Ende → enden (Substantiv → Verb), leer → leeren (Adjektiv → Verb), schnell → schnell arbeiten (Adjektiv → Adverb) oder überzeugend → ein überzeugendes Argument (Partizip → Adjektiv). Die Endung des Verbinfinitivs ist dabei Teil der Verbform, nicht automatisch ein sichtbares Ableitungsaffix. Formen wie werfen → Wurf und springen → Sprung sind dagegen keine Konversion: Der Stamm verändert sich durch Ablaut; man spricht von impliziter Ableitung.
Formen und Kontraste
| Form oder Konstruktion | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| lesen → das Lesen | Infinitiv als Substantiv | Das Lesen fällt ihr leicht. |
| bekannt → der/die Bekannte | Adjektiv als Personenbezeichnung | Ich treffe eine Bekannte. |
| muss → ein Muss | Verbform als nominalisierte Einheit | Das ist ein Muss. |
| Ende → enden | Substantiv als Verb | Die Sitzung endet um sechs. |
| überzeugend → ein überzeugendes Argument | Partizip als Adjektiv | Das ist ein überzeugendes Argument. |
Substantivierte Infinitive werden wie Neutra flektiert: das Lesen, beim Lesen, wegen des Lesens. Sie haben normalerweise keinen produktiven Plural. Lexikalisierte Substantive können jedoch Pluralformen bilden: die Schreiben (amtliche Briefe), die Essen (Mahlzeiten) und die Vermögen (Besitztümer). Diese Formen haben oft eine spezialisierte Bedeutung; sie sind nicht einfach der regelmäßige Plural jedes Infinitivs.
Analyse an Beispielen
- Beim schnellen Lesen enthält ein Attribut, beweist für sich aber noch keine bestimmte Endung. Sichtbar wird die nominale Flexion in ein schnelles Lesen und wegen des schnellen Lesens.
- Wir wünschen euch alles Gute: Gute ist substantiviert. Nach alles trägt das Pronomen die Endung; das Adjektiv steht hier schwach auf -e. Dagegen heißt es nichts Neues oder etwas Neues mit -es.
- Das ständige Hin und Her nominalisiert eine koordinierte Ausdruckseinheit; ebenso: Für und Wider, Auf und Ab und das Aus.
Flexion substantivierter Adjektive
| Umgebung | Singular | Plural |
|---|---|---|
| schwach nach bestimmtem Artikel | der Reiche / mit dem Reichen | die Reichen / mit den Reichen |
| gemischt nach unbestimmtem Artikel | ein Reicher / mit einem Reichen | — |
| stark ohne Artikel | Neues ĂĽberrascht mich. / mit Neuem | Reiche protestieren. / mit Reichen |
Nach etwas, nichts, viel und wenig steht bei einer sachlichen, neutralen Bezugnahme meist -es: etwas Neues, nichts Neues, viel Neues, wenig Neues. Bei alles lautet die feste, schwach flektierte Form alles Gute; die Endung von alles zeigt bereits Neutrum und Kasus an.
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Kontext und sichere Wahl
Nutze mehrere Tests zusammen: Kann ein Artikel oder Attribut stehen? Wird groĂźgeschrieben? Welche Flexion tritt auf? Die bloĂźe Formgleichheit reicht fĂĽr die Wortartbestimmung nicht.
Großschreibung und Getrenntschreibung zeigen die nominale Verwendung auch in festen Fügungen: im Allgemeinen, im Voraus, des Weiteren, alles Mögliche. In der festen Verbindung von neuem/von Neuem sind beide Schreibungen offiziell zulässig; eine feste Bedeutungsdifferenz ist damit nicht verbunden. Entscheidend ist, die gewählte Schreibweise im Text konsequent zu verwenden.
Häufige Fehlentscheidungen
- Substantivierte Adjektive wie gewöhnliche Nomen ohne Adjektivendung behandeln.
- Jede GroĂźschreibung als Wortbildung deuten; Satzanfang und Zitiergebrauch mĂĽssen ausgeschlossen werden.
- Konversion und Ellipse vorschnell gleichsetzen: Bei die Reichen ist die substantivierte Adjektivform produktiv, nicht bloĂź ein ausgelassenes festes Nomen.
Kurz zusammengefasst
- Konversion erzeugt eine neue Verwendung ohne sichtbares Affix.
- Syntax, Flexion und Orthografie zeigen die Zielwortart.
- Infinitiv- und Adjektivsubstantivierung folgen unterschiedlichen Flexionsmustern.
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Last updated August 23, 2026