C1 · AdvancedLesson 1 of 2

Modalpassiv und konkurrierende Passivumschreibungen

Notwendigkeit und Möglichkeit passivisch ausdrücken: Modalpassiv, sein + zu + Infinitiv und sich lassen im Vergleich – Register auf Niveau C1.

By the flumi team About 5 min read 6 vocabulary wordsGrammatik-Lernweg: Passivumschreibungen und Perspektivsteuerung

Notwendigkeit und Möglichkeit lassen sich passivisch mit Modalverb, sein + zu + Infinitiv, sich lassen und weiteren Umschreibungen ausdrücken. Die Konstruktionen unterscheiden sich in Modalstärke, Perspektive und Register.

Nach dieser Lektion kannst du Modalpassiv und konkurrierende Umschreibungen semantisch präzise wählen.

Funktion und Einordnung

Das kanonische Modalpassiv kombiniert Modalverb und Passivinfinitiv: Der Antrag muss geprüft werden. Der Antrag ist zu prüfen wirkt kompakter und häufig formeller; Der Antrag lässt sich prüfen drückt primär Möglichkeit oder Durchführbarkeit aus.

Für die Analyse sind drei Punkte besonders wichtig:

  • Müssen + Passiv formuliert Notwendigkeit explizit.
  • Sein + zu kann Notwendigkeit oder Möglichkeit ausdrücken und braucht oft Kontext zur Disambiguierung.
  • Sich lassen profiliert typischerweise Machbarkeit, gelegentlich auch eine auffordernde Lesart.

Der gleiche Inhalt klingt je nach Register anders: Behördentext: Der Antrag ist bis zum 30. Juni einzureichen. Sachtext: Der Antrag lässt sich online einreichen. Gespräch: Du musst den Antrag bis zum 30. Juni abgeben. Die Formen sind deshalb nicht bloß kürzere oder längere Varianten.

Formen und Kontraste

Form oder Konstruktion Funktion Beispiel
muss geprüft werden klare Notwendigkeit Der Antrag muss geprüft werden.
ist zu prüfen Notwendigkeit oder Möglichkeit Der Antrag ist zu prüfen.
lässt sich prüfen Möglichkeit/Machbarkeit Der Antrag lässt sich prüfen.
prüfbar feste Eigenschaft/Möglichkeit Der Antrag ist prüfbar.
bleibt zu prüfen noch offene Aufgabe Es bleibt zu prüfen, ob die Daten reichen.
steht zu befürchten begründete Erwartung Es steht zu befürchten, dass die Kosten steigen.
es gilt zu formeller Handlungsauftrag Es gilt zu klären, wer zuständig ist.
gehört verboten nachdrückliche Wertung Das gehört verboten.
hätte geprüft werden müssen vergangene, nicht erfüllte Notwendigkeit Der Antrag hätte geprüft werden müssen.
war zu prüfen vergangene Aufgabe Der Antrag war zu prüfen.
ließ sich nicht prüfen vergangene Unmöglichkeit Der Antrag ließ sich nicht prüfen.

Adjektive auf -bar beschreiben vor allem eine Eigenschaft oder Möglichkeit, nicht automatisch einen Auftrag: prüfbar, lesbar, vermeidbar. bleiben + zu + Infinitiv nennt den Rest einer Aufgabe, stehen + zu + Infinitiv meist eine zu erwartende Entwicklung, und es gilt zu + Infinitiv wirkt in Verwaltung und Fachprosa programmatisch. gehören + Partizip II drückt eine starke normative Bewertung aus; Das gehört verboten ist besonders im süddeutschen und österreichischen Sprachraum verbreitet und in formellen Texten oft durch muss verboten werden klarer.

Analyse an Beispielen

  • Die Datei kann nicht geöffnet werden. Das kann technische oder situationsbedingte Unmöglichkeit bezeichnen. Ein ausdrückliches Verbot lautet dagegen: Die Datei darf nicht geöffnet werden.
  • Die Wirkung ist kaum zu überschätzen. Diese feste Lesart bezeichnet eine sehr große Wirkung, nicht eine Pflicht.
  • Die Frage lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht beantworten. Das bewertet die Durchführbarkeit und lässt den Handelnden im Hintergrund.

Ohne Negation wird sein + zu häufig als Notwendigkeit gelesen: Die Formulare sind auszufüllen. Mit Negation oder Gradadverbien überwiegt oft die Möglichkeitslesart: Das ist nicht zu machen. / Die Wirkung ist kaum zu überschätzen. Der Kontext entscheidet dennoch mit.

Quick check

Try one question now.

1
Ergänze das kanonische Modalpassiv: Die Unterlagen müssen .

Check your answer when you are ready. No sign-in needed.

Kontext und sichere Wahl

Passivumschreibungen sind nicht in jedem Kontext vollständig synonym. Teste neben der Paraphrase auch, ob Modalquelle, Agens und Bewertung der Machbarkeit erhalten bleiben.

Bei sein + zu kann eine von-Gruppe den zuständigen Handelnden nennen: Der Antrag ist vom Amt zu prüfen. Bei sich lassen steht die Eigenschaft des Gegenstands im Mittelpunkt. Der Antrag lässt sich vom Amt prüfen ist daher als neutrale Passivumschreibung fragwürdig: Die Gruppe klingt eher nach einer besonderen Dienstleistung oder einem verursachenden Agens. Wenn das Amt verpflichtet ist, prüfst du besser mit sein + zu oder Modalpassiv: Das Amt muss den Antrag prüfen.

Häufige Fehlentscheidungen

  • Sein + zu immer als Pflicht interpretieren.
  • Sich lassen mit einem echten Reflexivvorgang verwechseln.
  • Formelle Kürze über Eindeutigkeit stellen, obwohl ein Modalverb die beabsichtigte Stärke klarer benennt.
  • -bar automatisch als Pflicht lesen, obwohl die Form meist nur Möglichkeit oder Eignung beschreibt.

Kurz zusammengefasst

  • Modalpassiv verbindet Passivperspektive und Modalität.
  • Modalverb, sein + zu, sich lassen, -bar und weitere Umschreibungen setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
  • Tempus, Negation, Agens und Register entscheiden besonders bei Möglichkeit, Verbot und Notwendigkeit.

You reached the end

You reached the end

Now make it stick.

Save your progress, or start the exercises. Practice with detailed feedback after you submit, or save your progress and come back.

Practice exercises

Was this lesson helpful?

Vocabulary in this lesson

6 words, ready to study.

Play a word to hear it, then mark it as known — or save it to study later.

Save any of these 6 words and review them later.

Passivumschreibungen und Perspektivsteuerung

C1

Modalpassiv und konkurrierende Umschreibungen

6 words

Last updated August 30, 2026