Sich lassen und sein zu als Passiversatz
Erfahre, wie sich lassen + Infinitiv meist Möglichkeit ausdrückt und sein + zu + Infinitiv Möglichkeit oder Notwendigkeit als Passiversatz zeigt (B2).
Beide Konstruktionen rücken eine Handlung ohne ausdrücklichen Handelnden in den Mittelpunkt. sich lassen + Infinitiv bezeichnet meist Möglichkeit; sein + zu + Infinitiv kann Möglichkeit oder Notwendigkeit ausdrücken.
In dieser Lektion lernst du, mit sich lassen und sein + zu zwischen Möglichkeit, Empfehlung und Notwendigkeit zu unterscheiden.
Funktion und Wirkung
Bei sich lassen stimmt das Reflexivpronomen mit dem Subjekt überein: Der Fehler lässt sich vermeiden. Die Konstruktion ist ein Passiversatz: Der Text lässt sich kürzen bedeutet ungefähr „Der Text kann gekürzt werden“. Davon unterscheidet sich das kausative oder permissive lassen: Er lässt den Text kürzen bedeutet, dass er die Kürzung veranlasst oder zulässt. Das Reflexivpronomen in Der Text lässt sich kürzen macht den Text zum Gegenstand der möglichen Handlung.
Bei sein + zu steht zu bei nicht trennbaren Verben vor dem Infinitiv: ist zu prüfen, ist zu beachten. Bei trennbaren Verben steht zu zwischen Präfix und Stamm: ist einzuhalten, ist anzugeben.
Formen und Kontraste
| Bereich | Struktur oder Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| sich lassen | Möglichkeit | Der Text lässt sich kürzen. |
| sein + zu | Möglichkeit | Der Text ist leicht zu kürzen. |
| sein + zu | Notwendigkeit | Die Frist ist einzuhalten. |
| Passiv mit Modalverb | explizite Entsprechung | Die Frist muss eingehalten werden. |
Zeitformen von sich lassen
Auch in anderen Zeiten bleibt die Konstruktion ein Passiversatz: Der Fehler ließ sich vermeiden. Im Perfekt steht der Ersatzinfinitiv: Der Fehler hat sich vermeiden lassen, nicht hat sich vermeiden gelassen.
Anwendung im Kontext
- Prüfe, ob der Kontext Möglichkeit oder Verpflichtung ausdrückt.
- Nutze ein Adverb wie leicht/kaum, um die Möglichkeitslesart zu stützen.
- Nutze klare Modalverben, wenn eine Anweisung keine Mehrdeutigkeit erlauben soll.
Das Fenster lässt sich nicht öffnen = Das Fenster kann nicht geöffnet werden.
Alle Angaben sind vollständig einzutragen = Alle Angaben müssen vollständig eingetragen werden.
Modaladverbien und Negation
Modaladverbien machen die Möglichkeitslesart deutlich:
| Ausdruck | sich lassen | sein + zu |
|---|---|---|
| leicht | Die Aufgabe lässt sich leicht lösen. | Die Aufgabe ist leicht zu lösen. |
| kaum | Das Problem lässt sich kaum lösen. | Das Problem ist kaum zu lösen. |
| nur schwer | Der Fehler lässt sich nur schwer finden. | Der Fehler ist nur schwer zu finden. |
Bei sich lassen negiert nicht die Möglichkeit: Der Termin lässt sich nicht verschieben. Bei sein + zu kann die Negation je nach Kontext Unmöglichkeit oder ein Verbot ausdrücken: Der Termin ist nicht zu verschieben kann heißen „er kann nicht verschoben werden“ oder „er darf nicht verschoben werden“. Ein Modalverb macht die beabsichtigte Lesart eindeutiger: Der Termin darf nicht verschoben werden.
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Präzise formulieren
sein + zu ist ohne Kontext mehrdeutig: Der Bericht ist zu lesen kann Empfehlung oder Pflicht bedeuten. In sicherheitsrelevanten Texten ist muss gelesen werden eindeutiger.
Verwandte Formen setzen andere Akzente: Adjektive auf -bar oder -lich beschreiben oft eine Eigenschaft, zum Beispiel vermeidbar, nachvollziehbar oder verständlich. Es bleibt zu klären, wer zuständig ist ist eine formelle Konstruktion mit bleiben + zu. Die mediopassive Form Das Buch liest sich gut beschreibt die Leseerfahrung, nicht eine Pflicht oder technische Möglichkeit.
Typische Fehler
| Nicht so | Richtig | Warum? |
|---|---|---|
| Der Text lässt sich gekürzt werden. | Der Text lässt sich kürzen. | Nach sich lassen steht der Infinitiv ohne werden. |
| Die Frist ist einhalten. | Die Frist ist einzuhalten. | Bei einem trennbaren Verb steht zu zwischen Präfix und Stamm. |
| Ich lasse sich überzeugen. | Ich lasse mich überzeugen. | Das Reflexivpronomen richtet sich nach dem Subjekt. |
Kompakter Überblick
- sich lassen + Infinitiv drückt meist Möglichkeit aus und entspricht oft einem Passiv mit können.
- sein + zu + Infinitiv kann Möglichkeit oder Notwendigkeit ausdrücken; im formellen Register ist bei Pflicht oft ein Passiv mit müssen klarer.
- In der Vergangenheit heißt es ließ sich; im Perfekt hat sich vermeiden lassen.
- Achte auf die Stellung von zu und auf das passende Reflexivpronomen.
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Funktionsverbgefüge, Passiversatz und Ersatzinfinitiv
B2Passiversatz mit sich lassen und sein zu
4 wordsLast updated August 30, 2026