B2 · Upper IntermediateLesson 3 of 4

Konjunktiv I in der indirekten Rede

Der Konjunktiv I kennzeichnet in Nachrichten und formellen Berichten, dass eine Aussage aus einer fremden Quelle stammt, ohne sie zu bewerten (B2).

Der Konjunktiv I kennzeichnet besonders in Nachrichten und formellen Berichten, dass eine Aussage aus einer fremden Quelle stammt. Er sagt fĂĽr sich allein nicht, ob die berichtende Person die Aussage glaubt.

In dieser Lektion lernst du, mit dem Konjunktiv I Aussagen distanziert und quellenbezogen wiederzugeben.

Funktion und Wirkung

Der Konjunktiv I markiert zuerst die Quelle: Die berichtende Person gibt wieder, was jemand anderes gesagt, gefragt oder verlangt hat. Er bedeutet fĂĽr sich allein weder Zustimmung noch Zweifel. Deshalb passt er besonders zu Nachrichten, Protokollen und Berichten.

Die Formbildung ist eine zweite Frage: Erst bestimmst du, wer die Quelle ist und was wiedergegeben wird; dann wählst du eine eindeutige Konjunktivform.

Formen und Kontraste

Der Konjunktiv I wird meist aus dem Infinitivstamm plus -e, -est, -e, -en, -et, -en gebildet. Am regelmäßigen Verb kommen sind die Endungen gut zu erkennen:

Person Konjunktiv I Vergleich mit dem Indikativ
ich komme identisch: ich komme
du kommest verschieden: du kommst
er/sie/es komme verschieden: er kommt
wir kommen identisch: wir kommen
ihr kommet verschieden: ihr kommt
sie/Sie kommen identisch: sie kommen

Sein ist unregelmäßig: ich sei, du seiest, er/sie/es sei, wir seien, ihr seiet, sie/Sie seien. Häufig sind außerdem er habe, er werde und er könne.

Wenn eine Konjunktiv-I-Form mit dem Indikativ gleichlautet und die Quellenmarkierung dadurch undeutlich wĂĽrde, dient meist der Konjunktiv II als Ersatz:

Direkte Aussage Eindeutige indirekte Rede Grund
„Er kommt später.“ Sie sagt, er komme später. komme ist eindeutig.
„Wir kommen später.“ Sie sagen, sie kämen später. sie kommen wäre gleichlautend mit dem Indikativ.
Mara sagt: „Ich habe Zeit.“ Mara sagt, sie habe Zeit. sie bezieht sich auf Mara; habe ist eindeutig.

Mit oder ohne dass

Beide Formen sind möglich, aber die Wortstellung unterscheidet sich:

  • Ohne dass hat der wiedergegebene Aussagesatz Verb-Zweit-Stellung: Die Ă„rztin sagt, er sei wieder gesund.
  • Mit dass steht das finite Verb am Ende: Die Ă„rztin sagt, dass er wieder gesund sei.

Die Form ohne dass ist besonders typisch fĂĽr journalistische und formelle indirekte Rede. Der Konjunktiv kann aber in beiden Strukturen stehen.

Zeitverhältnisse

Der Konjunktiv zeigt nicht einfach dieselbe Zeitform wie das Einleitungsverb, sondern das Verhältnis zur berichteten Aussage:

Zeitverhältnis Form Beispiel
gleichzeitig Konjunktiv I Präsens Sie erklärt, sie arbeite heute zu Hause.
vorzeitig Konjunktiv I Perfekt Sie erklärt, sie habe gestern zu Hause gearbeitet.
vorzeitig mit sein Konjunktiv I Perfekt Er sagt, er sei frĂĽh gekommen.
nachzeitig Konjunktiv I Futur I: werde + Infinitiv Er sagt, er werde morgen kommen.

Wenn Konjunktiv I und Indikativ gleich aussehen, ist oft Konjunktiv II sinnvoll. Neben sie kämen kann auch die würde-Form stehen: Die Mitarbeitenden sagen, sie würden später kommen. Dieses würden ist hier ein Ersatz für die uneindeutige Konjunktiv-I-Form, nicht automatisch eine Zukunftsform.

Modalverben in der indirekten Rede

Direkte Aussage Indirekte Rede Funktion
„Ich kann kommen.“ Er sagt, er könne kommen. Möglichkeit
„Ich muss gehen.“ Sie sagt, sie müsse gehen. Notwendigkeit
„Ich darf bleiben.“ Er sagt, er dürfe bleiben. Erlaubnis
„Ich soll anrufen.“ Sie sagt, sie solle anrufen. Auftrag oder Erwartung
„Ich will helfen.“ Er sagt, er wolle helfen. Absicht oder Wille

Fragen, Bitten und Perspektive

Auch indirekte Fragen stehen im Konjunktiv I. Bei Ja-/Nein-Fragen verwendest du ob: Sie fragte, ob der Bericht fertig sei. Bei W-Fragen bleibt das Fragewort: Sie fragte, wann der Bericht fertig sei.

Bitten und Aufforderungen werden häufig mit sollen oder mögen wiedergegeben: Der Arzt sagte, der Patient solle sich schonen. / Die Vorsitzende bat, man möge die Türen schließen. Sollen beschreibt dabei meist einen Auftrag, mögen wirkt in dieser Formel höflich und gehoben.

Passe Pronomen, Ort und Zeit an die neue Berichtssituation an, wenn sich die Perspektive ändert. Direkt sagt Anna: „Ich arbeite heute hier.“ Berichtet jemand am nächsten Tag von einem anderen Ort, heißt es: Anna sagte, sie arbeite an diesem Tag dort. Wenn Zeit und Ort gleich bleiben, ist eine Änderung nicht automatisch nötig.

Direkt: Mara sagt: „Ich habe keine Beweise.“

Indirekt: Mara sagt, sie habe keine Beweise. Der Bericht markiert Maras Aussage als Quelle.

Direkt: Die Zeugen sagen: „Wir waren nicht am Tatort.“

Indirekt: Die Zeugen sagen, sie seien nicht am Tatort gewesen. Die Perfektform markiert Vorzeitigkeit.

Direkt: Die Mitarbeitenden sagen: „Wir kommen später.“

Indirekt: Die Mitarbeitenden sagen, sie kämen später. Hier ersetzt Konjunktiv II die gleichlautende Form sie kommen.

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1

Welche Reihe gibt alle Konjunktiv-I-Präsensformen von „kommen“ in der Reihenfolge ich, du, er/sie/es, wir, ihr, sie/Sie korrekt wieder?

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Register und Formulierung

Konjunktiv I bedeutet nicht automatisch Zweifel. Er schafft zunächst Distanz zur Quelle. Zweifel oder Zustimmung müssen durch Kontext und Wortwahl zusätzlich ausgedrückt werden.

In redigierten Nachrichten, Pressemitteilungen und formellen Berichten ist Konjunktiv I ein wichtiges Mittel der Quellenmarkierung: Die Ministerin erklärte, die Maßnahme sei wirksam. In Gesprächen steht dagegen oft der Indikativ, häufig mit dass: Die Ministerin hat gesagt, dass die Maßnahme wirksam ist. Das ist grammatisch korrekt, markiert die Quelle aber weniger deutlich.

Diese Verteilung gilt nicht als starre Länderregel. Auch in Österreich und der Schweiz wird Konjunktiv I in formellen und journalistisch redigierten Texten verwendet; Häufigkeit und Hausstil können sich nach Medium, Redaktion und Textsorte unterscheiden. Für einen einzelnen Text ist die geforderte Konvention wichtiger als eine nationale Zuschreibung.

Häufige Fehler in der Zieltextsorte

Formulierung Ăśberarbeitung Warum?
Die Ministerin erklärt, die Maßnahme ist wirksam. In einer Nachricht: Die Ministerin erklärt, die Maßnahme sei wirksam. Der Indikativ ist grammatisch möglich, aber der Konjunktiv I macht die fremde Quelle im redigierten Bericht sichtbar.
Die Ministerin erklärt, dass die Maßnahme sei wirksam. Die Ministerin erklärt, dass die Maßnahme wirksam sei. Mit dass steht die finite Form am Ende.
Mara sagt: „Ich habe Zeit.“ – Mara sagt, ich habe Zeit. Mara sagt, sie habe Zeit. Das Pronomen muss aus Sicht der berichtenden Person auf Mara verweisen.

Kompakter Ăśberblick

  • Konjunktiv I markiert berichtete Rede und damit die Quelle, nicht automatisch Zweifel.
  • Bei formaler Gleichheit helfen Konjunktiv II oder die wĂĽrde-Form als Ersatz.
  • Ohne dass gilt bei indirekten Aussagen Verb-Zweit-, mit dass Verbendstellung; indirekte Fragen mit ob oder Fragewort haben ebenfalls Verbendstellung.
  • Konjunktiv-I-Perfekt (habe gearbeitet, sei gekommen) drĂĽckt Vorzeitigkeit aus; Futur I heiĂźt werde + Infinitiv.
  • Pronomen sowie Orts- und Zeitangaben werden an die neue Berichtssituation angepasst.

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Last updated August 23, 2026