B2 · Upper IntermediateLesson 2 of 3

Unpersönliches Passiv und Passiv ohne Subjekt

Erfahre, wie auch Verben ohne Akkusativobjekt ein unpersönliches Passiv ohne Nominativsubjekt bilden, wobei das Verb in der 3. Person Singular bleibt (B2).

By the flumi team About 5 min read Grammatik-Lernweg: Erweiterte Formen des Passivs

Auch manche Verben ohne Akkusativobjekt können ein Vorgangspassiv bilden. Dann entsteht kein neues Nominativsubjekt; das finite Verb bleibt in der 3. Person Singular.

In dieser Lektion lernst du, unpersönliches Passiv mit intransitiven Verben zu bilden und das Vorfeld-es korrekt wegzulassen.

Funktion und Wirkung

Beim persönlichen Passiv wird das Akkusativobjekt des Aktivsatzes zum Nominativsubjekt: Jemand repariert den AufzugDer Aufzug wird repariert. Beim unpersönlichen Passiv fehlt ein solches Akkusativobjekt: Man tanztEs wird getanzt. Das Geschehen steht im Mittelpunkt; die handelnden Personen bleiben ungenannt.

Steht sonst nichts im Vorfeld, erscheint es als Platzhalter: Es wird getanzt. Es ist hier kein inhaltliches Subjekt. Sobald ein anderes Satzglied im Vorfeld steht, entfällt es: Heute wird getanzt. Dativobjekte bleiben Dativ: Dem Verletzten wurde geholfen.

Im Nebensatz gibt es kein Vorfeld-es. Richtig ist: …, weil hier gearbeitet wird. Nicht: ✗ …, weil es hier gearbeitet wird.

Formen und Kontraste

Bereich Struktur oder Bedeutung Beispiel
Vorfeld-es nur Position füllen Es wird hier gearbeitet.
anderes Vorfeld es entfällt Hier wird gearbeitet.
Dativ bleibt kein Passivsubjekt Dem Gast wurde geholfen.
Präpositionalobjekt bleibt Präposition und Kasus ändern sich nicht Auf ihn wurde gewartet.
Nebensatz kein Platzhalter-es nötig …, weil hier gearbeitet wird

Tempus und Modalverb

Das unpersönliche Passiv ist nicht auf das Präsens beschränkt:

Form Beispiel
Präsens Es wird lange getanzt.
Präteritum Es wurde lange getanzt.
Perfekt Es ist lange getanzt worden.
mit Modalverb Hier darf nicht geraucht werden.

Im Perfekt steht worden, nicht geworden. Mit einem Modalverb steht der Infinitiv werden am Ende.

Anwendung im Kontext

  • Prüfe, ob das Aktivverb eine handelnde menschliche Instanz zulässt.
  • Suche ein Akkusativobjekt; fehlt es, gibt es kein reguläres Passivsubjekt.
  • Setze es nur im leeren Vorfeld, nicht zusätzlich zu einem anderen vorangestellten Satzglied.

Verben wie tanzen, arbeiten, lachen und schlafen können meist ein unpersönliches Passiv bilden, weil die Handlung einen willentlichen oder zumindest handelnden Akteur zulässt: Es wurde getanzt / gearbeitet / gelacht / geschlafen. Der Test lautet: Kann jemand die Handlung ausführen oder unterlassen? Bei nicht agentiven Ereignissen wie Ankommen oder Sterben ist das gewöhnlich nicht möglich: nicht Es wird angekommen oder Es wird gestorben. Auch gefallen bildet in seiner normalen Bedeutung kein unpersönliches Passiv: nicht Es wird gefallen. Einzelne feste oder fachsprachliche Verwendungen können abweichen.

Auch transitive Verben können ohne Akkusativobjekt gebraucht werden: Es wird gegessen., Hier wird gelesen., Heute wird gekocht. In diesen Sätzen nennt man keine Sache, die gegessen, gelesen oder gekocht wird; deshalb entsteht ebenfalls kein Nominativsubjekt.

Aktiv: Man tanzte lange. – Passiv: Es wurde lange getanzt.

Mit Zeitangabe im Vorfeld: Gestern wurde lange getanzt. Nicht: ✗ Gestern wurde es lange getanzt.

Mit Präpositionalobjekt: Die Gäste warteten auf ihn.Auf ihn wurde lange gewartet.

Ein weiteres Beispiel: Über den Vorschlag wurde ausführlich diskutiert. Das Präpositionalobjekt über den Vorschlag wird nicht zum Nominativsubjekt.

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1

Warum entsteht in „Es wird getanzt“ kein neues Nominativsubjekt?

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Präzise formulieren

Unpersönliches Passiv oder man?

Beide Formen lassen die handelnde Person unbestimmt, setzen aber einen anderen Schwerpunkt:

  • Man tanzte bis Mitternacht. Der Aktivsatz klingt oft direkt und erzählt, was die Menschen taten.
  • Es wurde bis Mitternacht getanzt. Das Ereignis und sein Verlauf stehen im Vordergrund.
  • Man darf hier nicht rauchen. Das ist eine direkte allgemeine Regel.
  • Hier darf nicht geraucht werden. Die Regel wirkt unpersönlicher und ist auf Schildern oder in formellen Hinweisen häufig.
  • Hier ist das Rauchen verboten. Die Nominalform beschreibt ein Verbot als Zustand oder Regel; das Vorgangspassiv mit Modalverb betont die erlaubte oder nicht erlaubte Handlung.

In Gesprächen ist man oft einfacher und direkter. Das unpersönliche Passiv passt besonders, wenn die Handlung, ein Ablauf oder eine Vorschrift wichtiger ist als die handelnden Personen. Beide Konstruktionen gehören zur Standardsprache.

Nicht jedes intransitive Verb bildet natürlich ein Passiv. Zustandsverben und viele nicht agentive Verben wie gehören oder entstehen sind dafür ungeeignet.

Das ist nicht dasselbe wie das Zustandspassiv: Die Tür ist geschlossen beschreibt den Zustand der Tür. Hier darf nicht geraucht werden beschreibt dagegen eine Regel über eine Handlung.

Häufige Fehler

Nicht so Richtig Warum?
Der Verletzte wurde geholfen. Dem Verletzten wurde geholfen. helfen verlangt Dativ; daraus wird kein Nominativsubjekt.
Es ist getanzt geworden. Es ist getanzt worden. Im Perfekt des Passivs heißt es worden.
Gestern wurde es getanzt. Gestern wurde getanzt. Vor Gestern steht schon ein Satzglied im Vorfeld; der Platzhalter es entfällt.

Kompakter Überblick

  • Ohne Akkusativobjekt entsteht im unpersönlichen Passiv kein Nominativsubjekt; Dativ und Präposition bleiben erhalten.
  • Es füllt nur ein leeres Vorfeld und steht nicht im Nebensatz oder nach einem anderen Vorfeldelement.
  • Das Verb braucht normalerweise einen handelnden Akteur; bei nicht agentiven Vorgängen ist das Passiv meist nicht möglich.
  • Es ist getanzt worden bildet das Perfekt; Hier darf nicht geraucht werden ist ein Passiv mit Modalverb.
  • Man wirkt direkter, das unpersönliche Passiv hebt Handlung, Ablauf oder Vorschrift hervor.

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Last updated August 23, 2026