Freie Relativsätze mit wer, was und wo
Freie Relativsätze mit wer, was und wo enthalten ihr Bezugswort bereits im Relativausdruck und bezeichnen so direkt Personen, Sachen oder Orte (B2).
Freie Relativsätze enthalten ihr Bezugswort bereits im Relativausdruck. wer bezeichnet Personen, was Sachen oder Sachverhalte und wo einen Ort oder allgemeinen Bereich.
In dieser Lektion lernst du, freie Relativsätze ohne ausdrückliches Bezugswort zu bilden und ihren Kasusbezug klar zu gestalten.
Funktion und Wirkung
Der freie Relativsatz übernimmt als Ganzes eine Satzgliedfunktion. Bei gleichem Kasus ist ein Korrelat oft fakultativ: Wer zuerst kommt, (der) mahlt zuerst. Auch beim Sonderfall Nominativ im Relativsatz und Akkusativ im Hauptsatz kann das Korrelat fehlen: Wer nicht hören will, (den) trifft es selbst. Bei anderen unterschiedlichen Kasusanforderungen müssen beide Formen sichtbar werden: Wem du hilfst, der dankt dir – nicht ohne der. Wer steht dabei immer in der 3. Person Singular, auch wenn mehrere Personen gemeint sind: Wer sich anmeldet, bekommt eine Bestätigung – nicht ✗ bekommen.
Formen und Kontraste
| Bereich | Struktur oder Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| wer | Person, oft Regel/Sprichwort | Wer zuerst kommt, gewinnt. |
| wessen | Genitiv: Zugehörigkeit | Wessen Name aufgerufen wird, der meldet sich. |
| wen … dem | Kasus in beiden Sätzen getrennt | Wen du einlädst, dem schickst du den Zugangscode. |
| wem … der | Dativ im Relativsatz, Nominativ im Hauptsatz | Wem das Fahrrad gehört, der soll sich melden. |
| was | Sache/Sachverhalt | Nimm, was du brauchst. |
| wo | Ort/Bereich | Bleib, wo du bist. |
| wohin | Richtung/Ziel | Geh, wohin du willst. |
| woher | Herkunft | Geh zurück, woher du gekommen bist. |
| wer/was/wo auch immer | verallgemeinernde freie Relativsätze | Was auch immer du entscheidest, ich unterstütze dich. |
Anwendung im Kontext
- Bestimme die Funktion des Relativausdrucks im Nebensatz.
- Bestimme getrennt die Funktion des gesamten Relativsatzes im Hauptsatz.
- Ergänze ein Korrelat wie der/dem/das, wenn unterschiedliche Kasus sonst unklar bleiben.
Wer den Schlüssel findet, soll ihn abgeben.
Wen du einlädst, dem schickst du den Zugangscode: wen ist Akkusativ zu einladen, dem Dativ zu schicken.
Wem das Fahrrad gehört, der soll sich melden: wem ist Dativ zu gehören, der ist als Subjekt von soll sich melden Nominativ.
Wem du hilfst, der dankt dir: wem ist Dativ zu helfen. Der gesamte Relativsatz ist das Subjekt von dankt, deshalb steht der im Nominativ. Ohne Korrelat ist ✗ Wem du hilfst, dankt dir falsch, denn dann würde wem fälschlich zugleich Dativ und Subjekt sein.
Wo, wohin und woher
wo verweist auf einen Ort, wohin auf ein Ziel und woher auf eine Herkunft: Bleib, wo du bist. / Geh, wohin du willst. / Geh zurück, woher du gekommen bist. Bildlich kann wo einen Bereich oder eine Bedingung meinen: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Es kann auch einen zeitlichen oder situativen Rahmen eröffnen: Wo früher mehrere Tage nötig waren, reicht heute eine Stunde.
Dieselben Wörter können jedoch auch indirekte Fragen einleiten: Ich frage, wo du bist. / Ich frage, wohin du gehst. / Ich weiß, woher er kommt. In diesen Sätzen wird nach einer Information gefragt oder sie wird mitgeteilt; es sind keine freien Relativsätze. Bei Bleib, wo du bist und Geh, wohin du willst bezeichnet der Nebensatz dagegen einen Ort oder ein Ziel und übernimmt als Ganzes eine Satzgliedfunktion.
Zeitliches wo kommt besonders regional und umgangssprachlich mit einem sichtbaren Bezugswort vor: der Tag, wo wir uns trafen. In der Standardsprache heißt es meist der Tag, an dem wir uns trafen. Das ist dann kein freier Relativsatz, weil der Tag als Bezugswort vorhanden ist.
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Präzise formulieren
Ein freier Relativsatz hat kein sichtbares Bezugsnomen. Bei konkretem Nomen heißt es dagegen: der Mann, der … oder der Ort, an dem ….
Bei Personen ist ein relatives wo wie der Mann, wo dort steht regional oder umgangssprachlich, in der Standardsprache aber nicht die neutrale Form. Verwende der Mann, der dort steht. Freies wer ist dagegen in Regeln und Sprichwörtern sehr geläufig: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Bei einem reinen Relativbezug nach einer Präposition braucht man ein Korrelat: Ich erinnere mich an das, was du gesagt hast. Ich erinnere mich, was du gesagt hast ist jedoch im Standarddeutschen möglich, wenn es als indirekte Frage verstanden wird. Ein wirklich unpassender Anschluss ist ✗ Ich freue mich, was du geschafft hast; richtig heißt es Ich freue mich über das, was du geschafft hast.
Was mit und ohne sichtbares Bezugswort
Nach alles, etwas, nichts sowie nach nominalisierten neutralen Superlativen und Adjektiven steht häufig was: alles, was ich weiß; das Beste, was du tun kannst; das Einzige, was mich stört. Diese Sätze haben ein sichtbares Bezugswort und sind daher nicht frei. Dagegen ist Ich verstehe, was du meinst ein freier Relativsatz: Der Nebensatz übernimmt als Ganzes die Objektfunktion. In Ich frage, was du meinst bleibt die Fragebedeutung erhalten; das ist eine indirekte Frage. Ich verstehe das, was du meinst ist nur bei besonderem Kontrast oder zur Klarstellung sinnvoll und sonst unnötig schwer.
Freier Relativsatz: Ich erzähle, was ich weiß. – Es gibt kein ausdrückliches Bezugswort.
Relativsatz mit Bezugswort: Das Beste, was du tun kannst, ist warten. – Das Beste ist das Bezugswort von was.
Kompakter Überblick
- wer/wessen/wem/wen bezeichnen Personen; bei gleichem Kasus kann das Korrelat fehlen. Beim Muster Nominativ im Relativsatz und Akkusativ im Hauptsatz ist es ebenfalls möglich; sonst macht ein Korrelat die unterschiedlichen Kasus sichtbar.
- was steht für Sachen oder Sachverhalte; nach das Beste/das Einzige hat es ein sichtbares Bezugswort.
- wo, wohin, woher unterscheiden Ort, Ziel und Herkunft; prüfe, ob sie eine indirekte Frage oder einen freien Relativsatz einleiten. Zeitliches oder personenbezogenes wo ist regional beziehungsweise umgangssprachlich zu prüfen.
- Beim reinen Relativbezug nach einer Präposition steht ein Korrelat: an das, was …. Eine korrelatlose Form kann dagegen eine indirekte Frage sein.
- Prüfe immer getrennt die Kasusrolle im Relativsatz und im Hauptsatz.
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Last updated October 14, 2026