Deklination substantivierter Adjektive und Partizipien
Substantivierte Adjektive und Partizipien bezeichnen Personen oder abstrakte Inhalte, ohne ein sichtbares Nomen. Trotz Großschreibung behalten sie die Adjektivdeklination.
In dieser Lektion lernst du, substantivierte Adjektive und Partizipien großzuschreiben, ihren Kasus zu bestimmen und die starke, schwache oder gemischte Endung zu wählen.
1. Funktion und Wirkung
Artikelwort, Kasus, Genus und Numerus bestimmen die Endung: der Angestellte, ein Angestellter, die Reisenden. Nach etwas, nichts, viel, wenig stehen neutrale Formen meist mit starker Endung: etwas Neues, nichts Überraschendes.
- Schwach nach einem der-Wort: der Angestellte, mit dem Angestellten.
- Gemischt nach einem ein-Wort: ein Angestellter, mit einem Angestellten.
- Stark ohne Artikelwort: Angestellter, mit Angestelltem. Solche artikellosen Personenbezeichnungen sind im Singular allerdings nicht in jedem Kontext üblich.
2. Alle vier Fälle im Vergleich
Die Tabelle verwendet durchgehend das substantivierte Partizip Angestellter im Maskulinum Singular. So ändern sich nur Kasus und Artikeltyp.
| Kasus | stark: ohne Artikel | schwach: der-Wort | gemischt: ein-Wort |
|---|---|---|---|
| Nominativ | Angestellter | der Angestellte | ein Angestellter |
| Akkusativ | Angestellten | den Angestellten | einen Angestellten |
| Dativ | Angestelltem | dem Angestellten | einem Angestellten |
| Genitiv | Angestellten | des Angestellten | eines Angestellten |
Beim Genitiv steht nach des und eines die Endung -en: die Sorgen des Angestellten, die Aussage eines Verantwortlichen. Die artikellose starke Genitivform ist bei einer einzelnen Personenbezeichnung im heutigen Alltagsdeutsch selten; die Tabelle zeigt sie zur systematischen Gegenüberstellung.
Der Angestellte arbeitet heute zu Hause. Die Kollegin vertritt den Angestellten. Die Leitung spricht mit dem Angestellten. Die Sorgen des Angestellten werden ernst genommen.
3. Die Endung Schritt für Schritt bestimmen
Analysiere den Satz: Die Direktorin spricht mit einem Angestellten.
- Kasus: Die Präposition mit verlangt den Dativ.
- Genus und Numerus: einem zeigt Maskulinum Singular.
- Artikeltyp: einem ist ein ein-Wort; deshalb gilt die gemischte Deklination.
- Endung: Im Dativ Maskulinum trägt das Artikelwort bereits -em. Die substantivierte Form erhält -en: einem Angestellten.
- Schreibung: Weil das Partizip anstelle eines Nomens steht, beginnt Angestellten mit einem Großbuchstaben.
Wir helfen den Verletzten und sprechen mit einer Verantwortlichen.
Im Bericht steht nichts Neues, aber viel Ermutigendes.
4. Besondere Personenbezeichnungen
Einige häufige Personenbezeichnungen wirken wie gewöhnliche Nomen, folgen aber weiterhin der Adjektivdeklination:
- Beamter: der Beamte, ein Beamter, des Beamten, die Beamten, zwei Beamte.
- Deutscher: der Deutsche, ein Deutscher, des Deutschen, die Deutschen, zwei Deutsche.
Auch andere Nationalitätsbezeichnungen dieses Typs werden großgeschrieben und entsprechend dekliniert: eine Österreicherin ist ein gewöhnliches Nomen, aber eine Deutsche ist ein substantiviertes Adjektiv.
Für diese Grundmuster gibt es im Standarddeutschen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz keinen relevanten Unterschied bei den Endungen. Regional verschieden können einzelne Berufs- oder Behördenbezeichnungen sein; ihre Auswahl ändert aber nicht die hier erklärte Deklination.
5. Häufige Fehler
Großschreibung macht die Form nicht unveränderlich. ✗ mit einem Bekannte; richtig ist mit einem Bekannten. Achte außerdem auf den Artikeltyp: der Bekannte, aber ein Bekannter.
6. Kompakter Überblick
Substantiviert bedeutet großgeschrieben, nicht undekliniert. Prüfe in dieser Reihenfolge:
- Kasus,
- Genus und Numerus,
- Artikeltyp,
- starke, schwache oder gemischte Endung.
Der Genitiv gehört vollständig zum System: des Angestellten, eines Angestellten. Formen wie Beamter und Deutscher folgen demselben Prinzip.
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Last updated July 20, 2026