B1 · IntermediateGerman

Partizip I und Partizip II als Adjektive

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Partizipien können wie Adjektive ein Substantiv näher beschreiben. Das Partizip I zeigt meist einen gleichzeitig ablaufenden Vorgang, das Partizip II häufig ein Ergebnis oder einen abgeschlossenen Vorgang.

Du verwendest Partizip I und Partizip II als Adjektive, setzt die passenden Endungen und wandelst Partizipialattribute in Relativsätze um.

1. Bildung und Bedeutung

Das Partizip I entsteht aus Infinitiv + -d: lachen → lachend, warten → wartend. Es hat meist eine aktive Bedeutung: Das lachende Kind lacht selbst.

Das Partizip II folgt der bekannten Verbform: gelacht, geöffnet, geschrieben. Bei transitiven Verben beschreibt es oft ein Ergebnis oder hat eine passive Bedeutung: Die geöffnete Tür wurde von jemandem geöffnet. Bei manchen intransitiven Verben bezeichnet es eine abgeschlossene Veränderung: die angekommenen Gäste.

Vor einem Nomen bekommt das Partizip dieselben Endungen wie ein Adjektiv. Prädikativ bleibt es ohne Endung: Die Tür ist geöffnet.

2. Deklination vor dem Nomen

Die folgenden Tabellen zeigen das ganze Muster im Singular und anschlieĂźend im Plural. Du kannst dieselben Endungsregeln auch auf andere Partizipien ĂĽbertragen.

Maskulin Singular: stark, schwach und gemischt

Kasus stark: ohne Artikel schwach: bestimmter Artikel gemischt: ein-Wort
Nominativ wartender Fahrgast der wartende Fahrgast ein wartender Fahrgast
Akkusativ wartenden Fahrgast den wartenden Fahrgast einen wartenden Fahrgast
Dativ wartendem Fahrgast dem wartenden Fahrgast einem wartenden Fahrgast
Genitiv wartenden Fahrgasts des wartenden Fahrgasts eines wartenden Fahrgasts
  • Stark: Ohne Artikel zeigt die Partizipendung Kasus, Genus und Numerus.
  • Schwach: Nach der/die/das und ähnlichen Artikelwörtern steht meist -en. -e steht im Nominativ Singular sowie im Akkusativ Femininum und Neutrum.
  • Gemischt: Nach ein/kein/mein ĂĽbernimmt das Partizip eine starke Endung, wenn das Artikelwort keine deutliche Endung hat: ein wartend*er Fahrgast*. Sonst steht hier -en.

Femininum und Neutrum im Singular

Genus und Kasus stark: ohne Artikel schwach: bestimmter Artikel gemischt: ein-Wort
Femininum, Nominativ singende Frau die singende Frau eine singende Frau
Femininum, Akkusativ singende Frau die singende Frau eine singende Frau
Femininum, Dativ singender Frau der singenden Frau einer singenden Frau
Femininum, Genitiv singender Frau der singenden Frau einer singenden Frau
Neutrum, Nominativ wartendes Kind das wartende Kind ein wartendes Kind
Neutrum, Akkusativ wartendes Kind das wartende Kind ein wartendes Kind
Neutrum, Dativ wartendem Kind dem wartenden Kind einem wartenden Kind
Neutrum, Genitiv wartenden Kindes des wartenden Kindes eines wartenden Kindes

Besonders wichtig ist das gemischte Neutrum: Im Nominativ und Akkusativ hat ein keine Endung. Deshalb ĂĽbernimmt das Partizip die starke Endung -es: ein wartend*es Kind*. Nach das zeigt der Artikel die Form bereits, daher heiĂźt es das wartend*e Kind*.

Plural in allen vier Kasus

Kasus ohne Artikel mit bestimmtem Artikel mit kein-/Possessivartikel
Nominativ geöffnete Türen die geöffneten Türen keine geöffneten Türen
Akkusativ geöffnete Türen die geöffneten Türen keine geöffneten Türen
Dativ geöffneten Türen den geöffneten Türen keinen geöffneten Türen
Genitiv geöffneter Türen der geöffneten Türen keiner geöffneten Türen

Im Plural gibt es keinen unbestimmten Artikel ein. Nach keine, meine, unsere und ähnlichen Wörtern hat das Partizip deshalb in allen vier Fällen die Endung -en.

Die beiden Singulartabellen verwenden Partizip-I-Formen wie wartend und singend, die Pluraltabelle das Partizip II geöffnet. Die Deklinationsendungen sind bei beiden Partizipien gleich.

3. Partizip oder Relativsatz

Ein Relativsatz kann deutlicher zeigen, wer handelt und wann etwas geschieht. Bei der Umformung musst du deshalb Bedeutung und Zeitbezug prĂĽfen.

Partizipialattribut Relativsatz Bedeutung
das lachende Kind das Kind, das lacht aktiv und gleichzeitig
der wartende Fahrgast der Fahrgast, der wartet aktiv und gleichzeitig
die geöffnete Tür die Tür, die geöffnet wurde / offen ist Vorgang oder Ergebnis, je nach Kontext
die angekommenen Gäste die Gäste, die angekommen sind abgeschlossene Veränderung
der gestern geschriebene Bericht der Bericht, der gestern geschrieben wurde abgeschlossen und passivisch

Das Kind, das am Fenster lacht, winkt uns zu.

→ Das am Fenster lachende Kind winkt uns zu.

Die Reform, die seit Jahren geplant wird, beginnt im Januar.

→ Die seit Jahren geplante Reform beginnt im Januar.

4. Erweiterte Partizipialattribute

Ein Partizip kann durch weitere Angaben erweitert werden. Diese Angaben stehen zwischen Artikel und Partizip; die Adjektivendung steht am Partizip:

  • der gut gelaunte Chef
  • die seit Jahren geplante Reform
  • die vor dem Eingang wartenden Gäste
  • der von der Redaktion sorgfältig geprĂĽfte Bericht

Je länger ein solches Attribut wird, desto mehr Informationen stehen vor dem Nomen. Eine Umformung als Relativsatz ist dann oft leichter zu verstehen:

Der von mehreren Fachleuten sorgfältig geprüfte Bericht wurde veröffentlicht.

→ Der Bericht, der von mehreren Fachleuten sorgfältig geprüft wurde, wurde veröffentlicht.

Suche zuerst das Nomen und das Partizip: der … geprüft*e Bericht*. Bestimme dann Artikel, Kasus, Genus und Numerus. Erst danach ergänzt du die Endung.

5. Bedeutungsgrenzen

Nicht jedes Partizip II hat eine passive Bedeutung. Vergleiche:

Verbtyp Ausgangssatz Partizip II als Adjektiv Bedeutung
transitiv: schlieĂźen Jemand schlieĂźt das Fenster. das geschlossene Fenster Das Fenster wurde geschlossen; passiv oder Ergebnis.
intransitive Veränderung: einschlafen Das Kind schläft ein. das eingeschlafene Kind Das Kind ist eingeschlafen; abgeschlossene Veränderung.

Das Partizip II ist also in beiden Zeilen möglich, aber aus verschiedenen Gründen: Beim transitiven Verb ist das Nomen betroffen, beim intransitiven Verb verändert es seinen Zustand selbst.

  • die reparierte Maschine: Jemand hat die Maschine repariert – passive oder resultative Bedeutung.
  • die verschwundenen Dokumente: Die Dokumente sind verschwunden – abgeschlossene Veränderung, kein Passiv.
  • der geschlafene Mann: Diese Form ist im Standarddeutschen nicht die normale Beschreibung fĂĽr einen Mann, der geschlafen hat. Verwende der Mann, der geschlafen hat.

Prüfe bei einem intransitiven Verb, ob das Partizip II wirklich eine abgeschlossene Veränderung bezeichnet. Formen wie angekommen, eingeschlafen und verschwunden sind möglich; andere Verben brauchen oft einen Relativsatz.

6. Register und D-A-CH-Gebrauch

Kurze Verbindungen wie kochendes Wasser, geschlossene Tür oder gut gelaunter Chef sind in gesprochener und geschriebener Sprache üblich. Lange erweiterte Partizipialattribute kommen besonders häufig in Nachrichten sowie in wissenschaftlichen, technischen und amtlichen Texten vor. In Gesprächen und adressatenfreundlichen Texten wirkt ein Relativsatz oft klarer.

Bildung, Endungen und Grundbedeutungen gelten im Standarddeutschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich. Wie häufig lange Partizipialattribute verwendet werden, hängt stärker von Textsorte, Institution und persönlichem Stil ab als vom Land. Es gibt deshalb keine einfache D-A-CH-Regel für „mehr“ oder „weniger“ Partizipialattribute.

7. Häufige Fehler

  • âś— ein wartende Fahrgast → âś“ ein wartend*er Fahrgast*
  • âś— mit geöffnete TĂĽr → âś“ mit geöffnet*er TĂĽr*
  • âś— die seit Jahren geplant Reform → âś“ die seit Jahren geplant*e Reform*
  • Ein langer Ausdruck ist nicht automatisch besser: Formuliere ihn als Relativsatz, wenn der Bezug sonst schwer verständlich wird.

8. Kurz zusammengefasst

  • Das Partizip I beschreibt meist einen gleichzeitigen aktiven Vorgang.
  • Das Partizip II beschreibt oft ein Ergebnis, einen abgeschlossenen Vorgang oder eine passive Beziehung.
  • Vor dem Nomen wird das Partizip wie ein Adjektiv dekliniert.
  • Erweiterte Partizipialattribute sind kompakt; Relativsätze machen lange Informationen oft leichter verständlich.
  • Die grundlegenden Formen gehören im gesamten D-A-CH-Raum zum gemeinsamen Standarddeutsch.

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Last updated July 20, 2026

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