Genusregeln und Fremdwörter
Das grammatische Geschlecht deutscher Substantive ist oft lexikalisch, doch Endungen und Bedeutungsgruppen geben auch bei Fremdwörtern Hinweise (B1).
Das grammatische Geschlecht eines Substantivs ist oft lexikalisch. Endungen und Bedeutungsgruppen geben jedoch zuverlässige Hinweise – auch bei vielen Fremdwörtern.
Du nutzt Endungen und Bedeutungsgruppen als Genushinweise und gehst mit schwankenden Fremdwörtern bewusst um.
Kernidee
Substantive auf -ung, -heit, -keit, -schaft, -tion, -tät sind meist feminin; -chen, -lein, -ment, -um meist neutral. Auch viele Substantive auf -e sind feminin, zum Beispiel die Blume, die Lampe, die Katze. Diese Regel hat jedoch mehr Ausnahmen als Endungen wie -ung oder -heit. Starke maskuline Hinweise sind -ling und -ismus; auch -ig sowie Personen- und Fremdwortsuffixe wie -ant und -or führen häufig zum Maskulinum. Bei neuen Lehnwörtern können Bedeutung, Endung und ein deutsches Vergleichswort zusammenwirken.
Formen und Orientierung
| Bereich | Regel | Beispiel |
|---|---|---|
| feminin, sehr starker Hinweis | -ung, -heit, -keit, -schaft | die Zeitung, die Freiheit, die Möglichkeit, die Freundschaft |
| feminin | -tion, -tät | die Information, die Universität |
| feminin, häufige Fremdwortendungen | -ie, -ik, -ur, -anz/-enz, -age | die Biologie, die Musik, die Kultur, die Distanz, die Garage; bei -ik gibt es Ausnahmen wie das Mosaik oder der Atlantik |
| feminin, häufig | -e | die Blume, die Lampe, die Katze |
| neutral, sehr starker Hinweis | -chen, -lein | das Mädchen, das Brötchen, das Fräulein |
| neutral | -ment, -um | das Dokument, das Museum |
| maskulin, sehr starker Hinweis | -ling, -ismus | der Frühling, der Tourismus |
| maskulin, häufig | -ig | der Honig, der Essig, der Käfig |
| maskuline Personenbezeichnungen | -ant | der Praktikant, der Demonstrant, der Lieferant |
| viele maskuline Fremdwörter | -or | der Motor, der Faktor, der Generator |
| schwankend | regional, fachsprachlich oder je nach Bedeutung | das/der Blog, der/das Joghurt; der/das Band |
Die Endung allein ist keine Garantie. Ausnahmen zur häufigen -e-Regel sind zum Beispiel der Name, der Käse und das Ende. Viele Personen- und Tierbezeichnungen auf -e sind außerdem maskulin: der Junge, der Kunde, der Kollege, der Löwe. Ausnahmen sind auch das Reisig trotz -ig, das Restaurant trotz -ant und das Labor trotz -or. -tum ist meist neutral: das Wachstum, das Christentum, das Eigentum, das Königtum. Maskulin sind vor allem der Reichtum und der Irrtum. Auch -nis und -sal können zwei Genera haben: meist das Ergebnis und das Schicksal, aber die Erlaubnis, die Kenntnis und die Mühsal. Auch -er ist nur bei vielen Personenbezeichnungen ein guter Hinweis: der Lehrer, aber das Fenster und das Messer.
Manchmal ändert sich mit dem Genus auch die Bedeutung. Der Moment ist ein kurzer Zeitpunkt, das Moment ein Gesichtspunkt oder Faktor. Das Band bindet man um ein Geschenk, der Band ist ein Teil einer Buchreihe. Der See ist ein Binnengewässer, die See das Meer. Auch bei Gehalt gilt das: das Gehalt ist der Lohn, der Gehalt der Anteil eines Stoffes, zum Beispiel der Fettgehalt.
Auch Bedeutungsgruppen helfen: Tage, Monate, Jahreszeiten und viele Wetterwörter sind maskulin (der Montag, der Mai, der Sommer, der Regen). Farben, substantivierte Infinitive und viele Metalle sind neutral (das Blau, das Lesen, das Gold).
Personenbezeichnungen und natürliches Geschlecht
Bei vielen Personenbezeichnungen zeigt die Wortbildung das natürliche Geschlecht: der Lehrer – die Lehrerin, der Praktikant – die Praktikantin. Das ist etwas anderes als eine reine Endungsregel für Sachwörter. Außerdem gibt es feste grammatische Genera, die nicht vom Geschlecht einer konkreten Person abhängen: die Person, das Mitglied.
Die Verkleinerungsendungen -chen und -lein machen ein Wort immer neutral, auch wenn das natürliche Geschlecht anders ist: die Frau → das Fräulein, der Junge → das Jüngchen, das Mädchen. Hier ist die Endung wichtiger als das Geschlecht der Person.
Komposita: Der letzte Bestandteil entscheidet
Bei einem zusammengesetzten Substantiv bestimmt der letzte Bestandteil das Genus. Dieser letzte Teil heißt auch Grundwort:
- die Hand + die Tasche → die Handtasche
- das Haus + der Schlüssel → der Hausschlüssel
- die Kinder + das Zimmer → das Kinderzimmer
Die ersten Bestandteile machen die Bedeutung genauer, ändern aber das Genus des Grundworts nicht. Diese Regel ist sehr hilfreich, wenn du ein langes neues Kompositum siehst.
Gebrauch im Zusammenhang
- Lerne neue Substantive immer zusammen mit Artikel und Plural.
- Nutze Endungsregeln als starke Hinweise, nicht als Garantie.
- Suche bei einem Kompositum zuerst den letzten Bestandteil.
- Prüfe bei schwankendem Genus, welche Form in deinem Kontext oder deiner Region üblich ist.
Bei neuen Lehnwörtern hilft oft ein deutsches Vergleichswort: das Meeting wie das Treffen.
Die E-Mail ist angekommen; in Österreich und der Schweiz heißt es standardsprachlich auch das E-Mail. Das Meeting wurde verschoben.
Im Standardgebrauch heißt es meist das Team und der Laptop.
Die Produktion an der Universität beginnt im Herbst; beide Nomen sind wegen -tion beziehungsweise -tät feminin.
Das Experiment findet im neuen Zentrum statt; Experiment und Zentrum sind wegen -ment beziehungsweise -um neutral.
Der Praktikant zeigt dem Direktor den Motor. Der Honig wird im Frühling geerntet.
In der Reisetasche bestimmt die Tasche das Genus; bei Wörterbuch bestimmt das Buch das Genus.
Bei Fremdwörtern gibt es D-A-CH-Variation. das Blog und der Blog sind standardsprachlich möglich. Bei Joghurt sind der und das standardsprachlich; das Joghurt ist besonders in Österreich und der Schweiz verbreitet. Ostösterreichisch kommt mundartlich auch die Joghurt vor. Solche Varianten lernst du am besten zusammen mit dem lokal üblichen Artikel.
Quick check
Try one question now.
Check your answer when you are ready. No sign-in needed.
Typische Stolperstelle
Übertrage das Genus nicht einfach aus einer anderen Sprache. Im Spanischen heißt es el problema, im Französischen le problème, im Deutschen aber das Problem: Problem ist neutral.
Kurz zusammengefasst
- Feminine Hinweise: besonders -ung, -heit, -keit, -schaft, -tion, -tät sowie bei Fremdwörtern oft -ie, -ik, -ur, -anz/-enz, -age; häufig auch -e. Neutrale Hinweise: -chen, -lein, -ment, -um. -chen und -lein machen auch Personenbezeichnungen neutral, zum Beispiel das Mädchen und das Fräulein.
- Maskuline Hinweise: besonders -ling, -ismus, häufig auch -ig, Personen auf -ant und viele Fremdwörter auf -or.
- Bei Komposita bestimmt der letzte Bestandteil das Genus: die Handtasche, der Hausschlüssel, das Kinderzimmer.
- Personenpaare wie Lehrer/Lehrerin folgen oft dem natürlichen Geschlecht; Person und Mitglied behalten ihr festes Genus.
- Die zuverlässigste Lerneinheit bleibt Artikel + Substantiv + Plural; bei Varianten entscheidet der regionale Gebrauch.
You reached the end
You reached the endNow make it stick.
Save your progress, or start the exercises. Practice with detailed feedback after you submit, or save your progress and come back.
Was this lesson helpful?
Last updated October 14, 2026