Infinitivsätze mit zu und ohne zu
Infinitivgruppen verdichten Aussagen, wenn ihr gedachtes Subjekt aus dem Hauptsatz erschlossen werden kann. Ob zu steht, hängt vom regierenden Verb oder Ausdruck ab.
Du entscheidest anhand des regierenden Ausdrucks, ob ein Infinitiv mit oder ohne zu steht, und kontrollierst dabei Subjektbezug und Kommasetzung.
1. Kernidee
Eine Infinitivgruppe kann eine notwendige Ergänzung sein: Nora hofft, die Prüfung zu bestehen. Sie kann aber auch eine zusätzliche Angabe ausdrücken, zum Beispiel einen Zweck: Nora lernt, um die Prüfung zu bestehen.
Das Subjekt steht in der Infinitivgruppe nicht noch einmal. Es wird aus dem Hauptsatz erschlossen:
- Lena versucht, pünktlich zu kommen. → Lena kommt.
- Der Arzt rät Paul, mehr zu schlafen. → Paul soll mehr schlafen.
Ist der Handelnde nicht eindeutig oder verschieden, brauchst du meist einen Nebensatz mit eigenem Subjekt: Tom öffnet die Tür, damit Lara den Koffer hineintragen kann.
2. Formen und Orientierung
| Auslöser oder Bereich | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Verb | häufig mit zu | Sie versucht, früh zu kommen. |
| Adjektiv mit unpersönlichem es | zu + Infinitiv | Es ist wichtig, genug zu schlafen. |
| Nomen | zu + Infinitiv | Sie hat den Wunsch, im Ausland zu arbeiten. |
| haben + zu | Notwendigkeit | Wir haben die Rechnung bis Freitag zu bezahlen. |
| sein + zu | Notwendigkeit oder Möglichkeit | Die Rechnung ist zu bezahlen. / Der Text ist leicht zu verstehen. |
| brauchen | meist mit zu, gesprochen auch ohne | Du brauchst nicht zu warten. |
| lernen, helfen, lehren | mit oder ohne zu | Sie lernt schwimmen. / Er hilft, den Koffer zu tragen. |
| Modalverb | ohne zu | Sie muss früh kommen. |
| lassen/sehen/hören | ohne zu | Ich höre ihn singen. |
| Bewegungsverb in fester Verbindung | ohne zu | Sie geht einkaufen. |
| trennbar | zu im Verb | Wir planen anzufangen. |
Im Satz Es ist wichtig, genug zu schlafen ist es ein unpersönliches Bezugswort. Der eigentliche Inhalt folgt in der Infinitivgruppe. Bei einem trennbaren Verb steht zu zwischen Präfix und Stamm: anzufangen, aufzuräumen.
Haben und sein + zu + Infinitiv
Haben + zu + Infinitiv drückt meist eine Pflicht oder Notwendigkeit aus. Das Subjekt nennt die Person, die handeln muss:
Wir haben die Rechnung bis Freitag zu bezahlen. = Wir müssen die Rechnung bis Freitag bezahlen.
Sein + zu + Infinitiv ist passivähnlich. Je nach Kontext bezeichnet es eine Notwendigkeit oder eine Möglichkeit:
- Die Rechnung ist bis Freitag zu bezahlen. = Die Rechnung muss bis Freitag bezahlt werden.
- Der Text ist leicht zu verstehen. = Der Text kann leicht verstanden werden.
Haben/sein + zu + Infinitiv bilden zusammen das Prädikat. Deshalb steht innerhalb dieser Verbindung kein Komma.
Brauchen: schriftlich meist mit zu
In modaler Bedeutung steht brauchen meistens in einem verneinten oder einschränkenden Satz, zum Beispiel mit nicht, nur oder erst.
In neutraler geschriebener Sprache ist die Form mit zu üblich: Du brauchst heute nicht zu kommen. Besonders in der gesprochenen Sprache hört man häufig auch: Du brauchst heute nicht kommen. Beide Formen kommen vor; für einen formellen Text oder eine Prüfung ist die Form mit zu die sichere Wahl.
Lernen, helfen und lehren
Nach lernen, helfen und lehren sind beide Formen möglich. Kurze Verbindungen stehen häufig ohne zu; bei längeren, erweiterten Infinitivgruppen ist zu üblicher. Das ist eine Tendenz, keine starre Regel.
| eher kurz, oft ohne zu | erweitert, eher mit zu |
|---|---|
| Mia lernt schwimmen. | Mia lernt, auch bei hohen Wellen ruhig zu schwimmen. |
| Ich helfe dir tragen. | Ich helfe dir, den schweren Koffer nach oben zu tragen. |
| Der Trainer lehrt die Kinder schwimmen. | Der Trainer lehrt die Kinder, ihre Kräfte gut einzuteilen. |
3. Gebrauch im Zusammenhang
Zweck, fehlender Begleitumstand und Alternative
Die Konjunktionen um, ohne und statt leiten adverbiale Infinitivgruppen ein. Der gedachte Handelnde ist normalerweise derselbe wie das Subjekt im Hauptsatz.
| Konstruktion | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| um ... zu | Zweck oder Ziel | Er kam, um zu helfen. |
| ohne ... zu | fehlender Begleitumstand | Sie ging, ohne sich zu verabschieden. |
| statt ... zu | Alternative oder Gegensatz | Er spielte, statt zu lernen. |
Bei einem anderen Handelnden verwendest du einen Nebensatz: Tom spricht langsam, damit die Gäste ihn verstehen.
Kommasetzung
- Vor um, ohne und statt steht immer ein Komma.
- Eine satzwertige Infinitivgruppe wird vom Hauptsatz mit Komma getrennt: Es ist wichtig, genug zu schlafen.
- Das Komma steht auch nach einem Nomen als Auslöser oder bei einem hinweisenden Wort: Sie hat den Wunsch, im Ausland zu arbeiten. / Ich freue mich darauf, dich zu sehen.
- Nach Modalverben und bei einem reinen Infinitiv mit lassen, sehen oder hören steht kein Komma: Sie muss kommen. Ich höre ihn singen.
Nora hofft, die Prüfung zu bestehen.
Nora will die Prüfung bestehen. Nach dem Modalverb will steht kein zu.
4. Typische Stolperstelle
Bei unterschiedlichem Subjekt brauchst du meist einen dass-Satz: ✗ Ich hoffe, du zu kommst. Richtig: Ich hoffe, dass du kommst.
5. Kurz zusammengefasst
Infinitivgruppen können als Ergänzung oder als adverbiale Angabe dienen. Mit zu stehen sie nach vielen Verben, Adjektiven und Nomen; ohne zu besonders nach Modalverben, lassen und Wahrnehmungsverben. Haben/sein + zu drücken Notwendigkeit oder Möglichkeit aus. Bei brauchen, lernen, helfen und lehren hängt der Gebrauch auch von Stil und Länge ab. Um, ohne und statt benennen Zweck, fehlenden Begleitumstand oder Alternative. Das gedachte Subjekt muss aus dem Hauptsatz eindeutig sein.
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Last updated July 20, 2026