Relativadverbien und präpositionale Relativanschlüsse
Relativadverbien wie wo, wohin, woher, woran und worüber sowie Verbindungen aus Präposition und Relativpronomen stellen präzise Anschlüsse her. Die Wahl hängt von Bezugswort, Rektion, räumlicher Bedeutung und Register ab.
Nach dieser Lektion kannst du räumliche Relativadverbien, wo(r)-Formen und präpositionale Relativpronomen korrekt zuordnen.
1. Drei Arten von Relativanschlüssen
Unterscheide zuerst, worauf sich der Relativsatz bezieht:
| Bezug | Typischer Anschluss | Beispiel |
|---|---|---|
| Person | Präposition + Relativpronomen | die Autorin, mit der ich sprach |
| Sache oder Sachverhalt | wo(r) + Präposition oder Präposition + Relativpronomen | das Problem, worüber / über das wir sprachen |
| Ort, Richtung oder Herkunft | wo, wohin, woher oder präpositionaler Anschluss | die Stadt, wo / in der ich wohne |
| ganze vorausgehende Aussage | wo(r) + Präposition | Er sagte ab, worüber alle enttäuscht waren. |
Bei Personen sind die beiden Muster nicht frei austauschbar. Im Standarddeutschen heißt es die Kollegin, mit der ich arbeite, nicht die Kollegin, womit ich arbeite. Wo(r)-Formen beziehen sich dagegen besonders gut auf Dinge, abstrakte Inhalte und ganze Aussagen.
2. Häufige wo(r)-Formen und ihre Rektion
Die Präposition wird vom Verb, Adjektiv oder Nomen im Relativsatz verlangt. Vor einer vokalisch beginnenden Präposition steht wor- (woran, worauf, worüber), vor einer konsonantisch beginnenden Präposition wo- (womit, wovon, wonach, wodurch).
| Rektion oder Relation | wo(r)-Form | Präposition + Relativpronomen | Beispiel |
|---|---|---|---|
| arbeiten an | woran | an dem | das Projekt, woran / an dem wir arbeiten |
| warten auf | worauf | auf das | das Ergebnis, worauf / auf das alle warten |
| suchen nach | wonach | nach dem | das Signal, wonach / nach dem die Forschenden suchen |
| sprechen von | wovon | von dem | das Thema, wovon / von dem sie spricht |
| sprechen über | worüber | über das | das Problem, worüber / über das wir sprechen |
| rechnen mit | womit | mit dem | das Risiko, womit / mit dem niemand rechnete |
| Folge oder Mittel mit durch | wodurch | durch das (bei Nomenbezug) | Das Gerät fiel aus, wodurch die Messung endete. |
Bei einem ausdrücklich genannten Nomen hält Präposition + Relativpronomen den Bezug oft deutlicher fest. Eine wo(r)-Form rückt eher den Sachbezug in den Vordergrund und ist besonders natürlich, wenn sie eine ganze Aussage aufnimmt:
- Sie änderte den Termin, womit niemand gerechnet hatte. Womit bezieht sich auf die gesamte Terminänderung.
- Das ist die Frage, auf die es ankommt / worauf es ankommt. Beide Anschlüsse sind möglich; auf die bindet sich sichtbar an Frage, worauf fasst den Inhalt sachbezogen auf.
- Die Forscherin, auf deren Studie wir uns beziehen, spricht morgen. Deren zeigt, dass die Studie der Forscherin gehört. Worauf würde direkt auf eine Sache verweisen und diese Besitzbeziehung nicht ausdrücken.
3. Räumliche Relativadverbien: wo, wohin, woher
Die räumlichen Formen unterscheiden Ort, Ziel und Herkunft:
| Form | Frage | Beispiel | Präpositionale Alternative |
|---|---|---|---|
| wo | an welchem Ort? | der Ort, wo wir uns trafen | der Ort, an dem wir uns trafen |
| wohin | in welche Richtung / zu welchem Ziel? | die Stadt, wohin sie zog | die Stadt, in die sie zog |
| woher | aus welcher Richtung / Herkunft? | das Dorf, woher er kommt | das Dorf, aus dem er kommt |
Wo ist besonders unauffällig nach allgemeinen Ortsausdrücken wie dort, überall, an der Stelle oder an dem Ort: Wir treffen uns dort, wo der Weg endet. Nach einem konkreten Ortsnomen ist wo im Gespräch ebenfalls verbreitet: die Stadt, wo ich wohne. In formellen Texten wirkt der genau passende präpositionale Anschluss häufig präziser: die Stadt, in der ich wohne.
Wohin und woher machen die Richtung sichtbar. Wenn die Präposition eine genauere räumliche Beziehung ausdrückt, ist die präpositionale Form oft vorzuziehen: das Gebäude, aus dessen Hintereingang sie kam.
4. Register und D-A-CH-Gebrauch
Im formellen Standarddeutsch wird bei einem klaren nominalen Bezugswort häufig Präposition + Relativpronomen gewählt: das Verfahren, in dem geprüft wird. Wo(r)-Formen sind jedoch keineswegs nur umgangssprachlich; bei abstrakten Sachbezügen und ganzen vorausgehenden Aussagen sind sie auch in anspruchsvollen Texten üblich.
Die Grundregeln für wo(r)-Formen, räumliches wo/wohin/woher und präpositionale Relativpronomen gelten im Standarddeutschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ein über räumliche Bezüge hinaus verwendetes wo kommt in verschiedenen Regionen und Dialekten des D-A-CH-Raums vor, zum Beispiel bei Zeit- oder Personenbezügen. Solche Muster sind in ihrem Dialekt oder Gesprächsregister nicht „falsch“, gehören aber nicht automatisch zum formellen Standard. Dort heißt es etwa die Frau, die dort arbeitet oder die Frau, mit der ich sprach.
Vermeide daher zwei pauschale Regeln:
- Nicht jede wo(r)-Form ist informell; worüber oder wodurch können sehr präzise Satzbezüge herstellen.
- Nicht jedes regionale wo lässt sich unverändert in einen formellen Standardtext übernehmen.
5. Kontext und sichere Wahl
Rekonstruiere zuerst den einfachen Satz: Wir sprechen über das Problem. Prüfe dann das Bezugswort: Sache → das Problem, über das / worüber wir sprechen; Person → die Kollegin, über die wir sprechen.
Gehe in drei Schritten vor:
- Bestimme, ob der Bezug eine Person, Sache, ganze Aussage oder einen Ort bezeichnet.
- Ermittle die verlangte Präposition aus dem einfachen Satz.
- Wähle die Form, die Bezug und Register eindeutig ausdrückt.
6. Häufige Fehlentscheidungen
- Wo(r)-Formen auf Personen beziehen: standardsprachlich die Person, mit der, nicht die Person, womit.
- Wo, wohin und woher verwechseln: Ort, Ziel und Herkunft müssen unterschieden werden.
- Das Fugen-r auslassen: woran, worauf, worüber, aber womit, wovon, wonach.
- Die Präposition des übergeordneten Nomens statt die Rektion im Relativsatz übernehmen.
7. Kurz zusammengefasst
- Relativanschlüsse bewahren die Präpositionsrektion des Relativsatzes.
- Personen verlangen im Standard normalerweise Präposition plus Relativpronomen.
- Wo(r)-Formen eignen sich für Sachen, Sachverhalte und ganze vorausgehende Aussagen.
- Wo, wohin und woher unterscheiden Ort, Ziel und Herkunft.
- Register und regionale Gewohnheiten beeinflussen die Wahl, heben die Person-Sache-Unterscheidung im formellen Standard aber nicht auf.
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Vocabulary in this lesson
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Last updated July 20, 2026