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Relativadverbien und präpositionale Relativanschlüsse

By the flumi team About 6 min read Practice exercises

Relativadverbien wie wo, wohin, woher, woran und worüber sowie Verbindungen aus Präposition und Relativpronomen stellen präzise Anschlüsse her. Die Wahl hängt von Bezugswort, Rektion, räumlicher Bedeutung und Register ab.

Nach dieser Lektion kannst du räumliche Relativadverbien, wo(r)-Formen und präpositionale Relativpronomen korrekt zuordnen.

1. Drei Arten von Relativanschlüssen

Unterscheide zuerst, worauf sich der Relativsatz bezieht:

Bezug Typischer Anschluss Beispiel
Person Präposition + Relativpronomen die Autorin, mit der ich sprach
Sache oder Sachverhalt wo(r) + Präposition oder Präposition + Relativpronomen das Problem, worüber / über das wir sprachen
Ort, Richtung oder Herkunft wo, wohin, woher oder präpositionaler Anschluss die Stadt, wo / in der ich wohne
ganze vorausgehende Aussage wo(r) + Präposition Er sagte ab, worüber alle enttäuscht waren.

Bei Personen sind die beiden Muster nicht frei austauschbar. Im Standarddeutschen heißt es die Kollegin, mit der ich arbeite, nicht die Kollegin, womit ich arbeite. Wo(r)-Formen beziehen sich dagegen besonders gut auf Dinge, abstrakte Inhalte und ganze Aussagen.

2. Häufige wo(r)-Formen und ihre Rektion

Die Präposition wird vom Verb, Adjektiv oder Nomen im Relativsatz verlangt. Vor einer vokalisch beginnenden Präposition steht wor- (woran, worauf, worüber), vor einer konsonantisch beginnenden Präposition wo- (womit, wovon, wonach, wodurch).

Rektion oder Relation wo(r)-Form Präposition + Relativpronomen Beispiel
arbeiten an woran an dem das Projekt, woran / an dem wir arbeiten
warten auf worauf auf das das Ergebnis, worauf / auf das alle warten
suchen nach wonach nach dem das Signal, wonach / nach dem die Forschenden suchen
sprechen von wovon von dem das Thema, wovon / von dem sie spricht
sprechen über worüber über das das Problem, worüber / über das wir sprechen
rechnen mit womit mit dem das Risiko, womit / mit dem niemand rechnete
Folge oder Mittel mit durch wodurch durch das (bei Nomenbezug) Das Gerät fiel aus, wodurch die Messung endete.

Bei einem ausdrücklich genannten Nomen hält Präposition + Relativpronomen den Bezug oft deutlicher fest. Eine wo(r)-Form rückt eher den Sachbezug in den Vordergrund und ist besonders natürlich, wenn sie eine ganze Aussage aufnimmt:

  • Sie änderte den Termin, womit niemand gerechnet hatte. Womit bezieht sich auf die gesamte Terminänderung.
  • Das ist die Frage, auf die es ankommt / worauf es ankommt. Beide Anschlüsse sind möglich; auf die bindet sich sichtbar an Frage, worauf fasst den Inhalt sachbezogen auf.
  • Die Forscherin, auf deren Studie wir uns beziehen, spricht morgen. Deren zeigt, dass die Studie der Forscherin gehört. Worauf würde direkt auf eine Sache verweisen und diese Besitzbeziehung nicht ausdrücken.

3. Räumliche Relativadverbien: wo, wohin, woher

Die räumlichen Formen unterscheiden Ort, Ziel und Herkunft:

Form Frage Beispiel Präpositionale Alternative
wo an welchem Ort? der Ort, wo wir uns trafen der Ort, an dem wir uns trafen
wohin in welche Richtung / zu welchem Ziel? die Stadt, wohin sie zog die Stadt, in die sie zog
woher aus welcher Richtung / Herkunft? das Dorf, woher er kommt das Dorf, aus dem er kommt

Wo ist besonders unauffällig nach allgemeinen Ortsausdrücken wie dort, überall, an der Stelle oder an dem Ort: Wir treffen uns dort, wo der Weg endet. Nach einem konkreten Ortsnomen ist wo im Gespräch ebenfalls verbreitet: die Stadt, wo ich wohne. In formellen Texten wirkt der genau passende präpositionale Anschluss häufig präziser: die Stadt, in der ich wohne.

Wohin und woher machen die Richtung sichtbar. Wenn die Präposition eine genauere räumliche Beziehung ausdrückt, ist die präpositionale Form oft vorzuziehen: das Gebäude, aus dessen Hintereingang sie kam.

4. Register und D-A-CH-Gebrauch

Im formellen Standarddeutsch wird bei einem klaren nominalen Bezugswort häufig Präposition + Relativpronomen gewählt: das Verfahren, in dem geprüft wird. Wo(r)-Formen sind jedoch keineswegs nur umgangssprachlich; bei abstrakten Sachbezügen und ganzen vorausgehenden Aussagen sind sie auch in anspruchsvollen Texten üblich.

Die Grundregeln für wo(r)-Formen, räumliches wo/wohin/woher und präpositionale Relativpronomen gelten im Standarddeutschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ein über räumliche Bezüge hinaus verwendetes wo kommt in verschiedenen Regionen und Dialekten des D-A-CH-Raums vor, zum Beispiel bei Zeit- oder Personenbezügen. Solche Muster sind in ihrem Dialekt oder Gesprächsregister nicht „falsch“, gehören aber nicht automatisch zum formellen Standard. Dort heißt es etwa die Frau, die dort arbeitet oder die Frau, mit der ich sprach.

Vermeide daher zwei pauschale Regeln:

  • Nicht jede wo(r)-Form ist informell; worüber oder wodurch können sehr präzise Satzbezüge herstellen.
  • Nicht jedes regionale wo lässt sich unverändert in einen formellen Standardtext übernehmen.

5. Kontext und sichere Wahl

Rekonstruiere zuerst den einfachen Satz: Wir sprechen über das Problem. Prüfe dann das Bezugswort: Sache → das Problem, über das / worüber wir sprechen; Person → die Kollegin, über die wir sprechen.

Gehe in drei Schritten vor:

  1. Bestimme, ob der Bezug eine Person, Sache, ganze Aussage oder einen Ort bezeichnet.
  2. Ermittle die verlangte Präposition aus dem einfachen Satz.
  3. Wähle die Form, die Bezug und Register eindeutig ausdrückt.

6. Häufige Fehlentscheidungen

  • Wo(r)-Formen auf Personen beziehen: standardsprachlich die Person, mit der, nicht die Person, womit.
  • Wo, wohin und woher verwechseln: Ort, Ziel und Herkunft müssen unterschieden werden.
  • Das Fugen-r auslassen: woran, worauf, worüber, aber womit, wovon, wonach.
  • Die Präposition des übergeordneten Nomens statt die Rektion im Relativsatz übernehmen.

7. Kurz zusammengefasst

  • Relativanschlüsse bewahren die Präpositionsrektion des Relativsatzes.
  • Personen verlangen im Standard normalerweise Präposition plus Relativpronomen.
  • Wo(r)-Formen eignen sich für Sachen, Sachverhalte und ganze vorausgehende Aussagen.
  • Wo, wohin und woher unterscheiden Ort, Ziel und Herkunft.
  • Register und regionale Gewohnheiten beeinflussen die Wahl, heben die Person-Sache-Unterscheidung im formellen Standard aber nicht auf.

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Last updated July 20, 2026

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